Transfer – der Film

„Transfer“ ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 2010. Regie führte bei dem ursprünglich für „Das kleine Fernsehspiel“ des ZDF´s gedrehten Science-Fiction Damir Lukacevic. Faszinierend an dem Spielfilm ist bereits der Umstand, dass es der Regisseur geschafft hat, einen mitreißenden Science-Fiction-Thriller zu schaffen, ohne dabei auf Hollywood typische Special Effects zurückgreifen zu müssen. Und dennoch geht sein Film unter die Haut – beinahe sogar wortwörtlich. So ist es auch nicht verwunderlich, dass „Transfer“ auf zahlreichen Film-Festivals zu sehen war und eine ganze Reihe internationaler Filmpreise gewinnen konnte.

Deutschland in einer nicht zu fernen Zukunft

Deutschland, nicht allzu weit von der heutigen Zeit entfernt in der unmittelbaren Zukunft. Hermann Goldbeck (Hans-Michael Rehberg) hat ein erfülltes, finanziell über die Maßen gesichertes Leben zusammen mit seiner Frau Anna (Ingrid Andree) erlebt. Nun stehen beide langsam am Ende ihres Lebensweges. Bewusst wird das durch eine Krebserkrankung, die bei Anna diagnostiziert wurde.

Dabei haben ihr die Ärzte nur noch wenige Monate gegeben, doch Hermann kann und will einfach nicht vom Leben lassen. Da kommt es ihm gerade gelegen, dass das Humanoid-Gentechnologie-Unternehmen Menzana einen Weg gefunden hat, das Bewusstsein von Menschen in die Körper anderer Menschen zu transferieren. Der einzige Haken dabei ist der Umstand, dass es sich bei den Menschen, in denen ein Bewusstsein transferiert werden soll, keine geistig leeren Hüllen sind.

transferLeben in einem fremden jungen Körper

Vielmehr handelt es sich um junge Menschen, die gegen eine üppige finanzielle Bezahlung freiwillig ihren Körper zur Verfügung stellen. Folglich trifft es also solche Menschen, die sowieso nichts besitzen und mit dem Geld, das es gibt, ihren Familien helfen möchten. Ebenso wenig verwunderlich ist, dass es sich dabei vornehmlich um Schwarze aus den Dritte Welt Ländern Afrikas handelt. Den einzigen Trost, den diese Menschen dabei haben: ihr Geist wird durch eine Droge unterdrückt, allerdings bekommen sie jede Nacht für vier Stunden täglich ihr Bewusstsein zurück. Den Rest der Zeit gehören ihre Körper jedoch den reichen Menschen aus den Industrieländern, die sich diesen Bewusstseinstransfer leisten können.

Gefangen und unterdrückt im eigenen Körper

Schnell findet Menzana unter Leitung der kaltblütigen Ärztin Dr. Menzel (Jeanette Hain) zwei passende Leihkörper für Hermann und Anna. Der eine kommt von Apolain (B.J. Britt), der aus Mali stammt, für Anna steht der Körper von der Äthiopierin Sarah (Regine Nehy) bereit. Der Bewusstseinstransfer der beiden alten und reichen Deutschen ist erfolgreich. Doch Apolain und Sarah bemerken nun schon bald, wie weitreichend die Folgen ihres Handelns eigentlich sind in Wirklichkeit. Von den vier Stunden jede Nacht bleibt ihnen eigentlich nicht viel, als sich mit dem jeweils anderen zu unterhalten. Sie sind praktisch in dem Umfeld gefangen, wo sie die beiden Deutschen hinführen.

Die Situation gerät für alle Beteiligten außer Kontrolle

So kommt es, dass sich Apolain und Sarah nach einer Weile ineinander verlieben. Das bedeutet natürlich auch, dass sie miteinander schlafen. Prompt wird Sarah dabei von Apolain schwanger, was natürlich auch Hermann und Anna nicht verheimlicht werden kann. Die Konflikte sind damit vorprogrammiert. Zu allem Überfluss finden die beiden Afrikaner heraus, dass Dr. Menzel die beiden mit einem menschenunwürdigen Vertrag betrogen hat.

Von Versprechungen, die anfangs gemacht wurden, bleibt nun nicht mehr viel übrig. So beschließt Apolain kurzerhand, das Bewusstsein der beiden reichen „Mieter“ zu ermorden, denn er will für Sarah, sich und das gemeinsame Kind eine Zukunft sichern. Die beiden setzen den Plan um, doch Menzana hat entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Die Situation scheint nun erst richtig zu eskalieren.

Transfer: ein Thema, das trotz Zukunftsvision eine gewisse Authentizität besitzt

Schon das Thema an sich sorgt für eine Gänsehaut. Schnell kann man als Zuschauer auf den Punkt kommen, wie abscheulich so etwas doch wäre. Allerdings nur, um im anschließenden Abwägen festzustellen, dass es mit Sicherheit Menschen geben würde – auf Seite der Reichen ebenso wie auf der der Afrikaner – die sich dafür hergeben würden. In gewisser Weise ist es ja auch „nur“ die konsequente Fortsetzung von Kolonialisierung und Ausbeutung des Schwarzen Kontinents, wie wir sie schon seit vielen Jahrhunderten betreiben.

Von diesen Gedanken getragen erscheint es nämlich plötzlich gar nicht mehr so unrealistisch, dass so etwas tatsächlich eintreten könnte, gäbe es die entsprechende Technik erst. Und genau das ist es, was eine solch intensive Gänsehaut auslöst – wie weit würden wir alle gehen, um das eigene Leben zu verlängern? Spannende Fragen, abscheuliche Gedankenspiele und ein mitreißender Film – davon wird man bei „Transfer“ schon vor dem Ansehen gepackt.